Bericht der Dülmener Zeitung über das Börnster Schützenfest 1969
Erbittertes Ringen um die neue Königswürde
Stimmung war Trumpf
Der Schützenverein Börnste hatte in diesem Jahre mit dem Wettergott sicherlich keinen Sondervertrag auf gutes Wetter abgeschlossen. Wenn es trotz der nassen und kalten Witterung noch zu zwei herrlich verlaufenen, stimmungsvollen Festtagen kam, so spricht das für die Börnster Schützen. Eine Lanze war aber ebenso zu brechen für die Bevölkerung, die überaus zahlreich an den Brennpunkten des Geschehens vertreten war, nämlich an der Vogelstange und im Festzelt. Auch an Prominenz fehlte es nicht. So hatten Amtsbürgermeister Franz Brambrink, der übrigens Ehrenmitglied des Börnster Schützenvereins ist, und Amtsdirektor Willi Gockel nicht nehmen lassen, an den Festlichkeiten teilzunehmen.
Bereits der Kommersabend, der dem ersten Festtag vorausging, hatte es in sich. Von Beginn an entwickelte sich eine „Bombenstimmung“, zu der die sauber aufspielende Dülmener Stadtkapelle nicht unwesentlich beitrug. Das Festzelt auf dem Gelände Schlaut war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Das eigentliche Schützenfest begann am Sonntagmorgen mit einem Feldgottesdienst an der Schule, den Vikar Ludger Böckenhoff zelebrierte. Die Festpredigt hielt Dechant Dr. H. J. Spital.
Mittags um 13 Uhr traten die Schützen beim Festzelt an und marschierten zur Vogelstange. Es galt nicht nur, den Nachfolger für König Ewald Schlaut zu finden, sondern an diesem Tage wurde auch eine neue Schießanlage mit Kugelfang offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Über 100 Schützen beteiligten sich am Kampf um die neue Herrscherwürde, und die vielen „Schlachtenbummler“, die sich am „Tatort“ eingefunden hatten, mußten lange warten, bis die Entscheidung gefallen war. Erst der 63. Wettkampfteilnehmer schoß den Vogel ab. Es war Tierarzt Dr. Alfred Schürhoff, der damit neuer Börnster Schützenkönig geworden war. Zu den ersten Gratulanten zählten die Ex-Majestät Ewald Schlaut und Ex-Königin Paula Düppmann. Als Dr. Schürhoff den Vogel „zur Strecke gebracht hatte“, erklang starker Beifall, und die Dülmener Stadtkapelle intonierte einen Ehrenmarsch.
Bei der anschließenden Königsproklamation hieß es für König Ewald Schlaut und Königin Paula Düppmann Abschied zu nehmen von den „Regierungsgeschäften“. Für ein Jahr werden nun Majestät Dr. Alfred Schürhoff und die von ihm zur Königin erkorene Kindergärtnerin Anne Jeling in Börnste das Zepter schwingen und ihre „Untertanen“ regieren.
Während der Nachmittagsstunden herrschte im Festzelt ein buntes Leben und Treiben. Man diskutierte lebhaft über den spannenden Kampf an der Vogelstange, man zollte den alten und neuen Majestäten rauschenden Beifall beim Ehrentanz und man tauschte an der Theke Erinnerungen an frühere Feste aus. Auch der zweite abendliche Festball erfreute sich eines sehr guten Besuchs. Bis in die tiefe Nacht wurde getanzt und geschunkelt. Die Kapelle hatte für jeden und von jedem etwas in ihrem Repertoire, so daß jung und alt auf seine Kosten kam.
Aus dem Protokollbuch
Das Schützenfest 1969 wurde eingeleitet mit einer Feldmesse an der Börnster Schule. Die hl. Messe die zu Ehren der Gefallenen und Verstorbenen gefeiert wurde, war recht zahlreich besucht. Sie wurde zelebriet von dem H. H. Dechant Spital und unter Assistenz von Herrn Vikar Böckenhoff. Um 13.00 Uhr trafen sich die Schützenbrüder im Festzelt und marschierten unter den Klängen der Stadtkapelle zur neuerrichteten Vogelstange. Dort wurden die Satzungen des Vereins verlesen und nach alter Tradition ein stilles Gebet verrichtet. Danach wurde bekannt gegeben, daß das Schießgeld auf 3,00 DM erhöht werden müsse, um so einigermaßen die Kosten für den neuen Kugelfang zu decken. Diesem wurde von den Schützenbrüdern auch gleich zugestimmt und es konnte dann mit dem Vogelschießen begonnen werden. Infolge kühler Witterung war anfangs eine zögerliche Beteiligung am Schießen. Die besserte sich als die Schützenbrüder sich geistig gestärkt hatten und man zur Donnerbüchse griff. Im Kreis der Bewerber um die Königswürde gelang es Dr. Alfred Schürhoff den Vogel abzuschießen. Er wurde somit Schützenkönig 1969 zu der er sich Fräulein Anne Jeling als Königin erkor. Nach der Proklamation des neuen Königspaares gab der Königstanz den Auftakt zum allgemeinen Festball.
Am zweiten Schützenfesttag trafen sich gegen 14.00 Uhr die Schützenbrüder zur Gefallenenehrung im Festzelt. Wegen des sehr schlechten Wetters konnte man jedoch nicht zum Kriegerdenkmal marschieren und man entschloss sich die Ehrung im Zelt vorzunehmen. Hier hielt Herr Lehrer Alfers die Gedenkrede. Als die Musikkapelle das „Lied vom guten Kameraden“ spielte, brachte eine Abordnung von Jungschützen den Kranz zum Kriegerdenkmal. Danach fand die Verlosung und das Kaffeetrinken der Damen statt sowie die Verteilung der Kuchen und Limonade für die Kinder. Am Abend wieder Festball der trotz des kühlen und regnerischen Wetters fröhlich verlief.


