Dülmener Zeitung vom 11. Mai 1965
Börnste hat ein junges Königspaar
Die Börnster Schützen verstehen zu feiern. Das weiß man nicht nur in den übrigen Bauerschaften, sondern vornehmlich auch in der Stadt Dülmen. Nicht umsonst bewegen sich die Städter an den Tagen des Börnster Schützenfestes hinaus in die Bauerschaft, um hier einmal fernab vom sonstigen Getriebe sich der Fröhlichkeit hinzugeben.
Schon Wochen vorher hatten die Börnster ihr Schützenfest vorbereitet. Sie hatten es gut und gründlich getan, allerdings nicht den Regen einkalkuliert. Somit mußten die Verantwortlichen am letzten Wochenende schnell umschalten. Das taten sie denn auch, denn die Vogelstange wurde bis unmittelbar an das Festzelt herangeholt. Dem Schießen bei Wieschhörster schauten Börnster, Dülmener und viele auswärtige Gäste zu. Um keine Zeit zu verlieren, oder besser gesagt, nicht vom Regen überrascht zu werden, entschloß man sich sofort mit der „dicken Berta“ heranzurücken. Immerhin gingen noch 65 Schuß auf den zähen Vogel, bis dieser kapitulierte. Schriftführer Karl Mensmann war der glückliche Schütze, der gegen 15.30 Uhr den Rest von der Stange fegte. Zur Mitregentin erwählte er sich Josefa Kuhmann, übrigens eine ausgesprochen gute Tänzerin. Der bekannte Schlager: „Küsse nicht nach Mitternacht…“ (Anmerkung: wohl „Küsse nie nach Mitternacht“ von der schwedischen Schlagersängerin Siw Malmkvist, der 1965 Platz 9 der deuschen Charts erreichte) dürfte im Festzelt bestimmt am Sonntag mehrmals die Runde gemacht haben.
Als Karl Mensmann zum König proklamiert worden war, freuten sich die Börnster Untertanen über ihren jungen Herrscher. Nur der Vorstand guckte zunächst ein wenig traurig drein, denn es fehlte ihnen der Schriftführer. Noch an der Vogelstange wurde Ludger Kuhmann einstimmig für diesen wichtigen Posten ausersehen. Das König-Spielen scheint wohl in der Familie Mensmann Wurzeln geschlagen zu haben, denn auch der Vater Seiner Majestät hatte diese Würde und Bürde schon einmal getragen.
Ein Wort des Dankes sei hier auch noch dem alten Königspaar Josef Geilmann und Anne Potthoff gewidmet. Das Börnster Königspaar hat die leicht zu lenkenden Untertanen gut durch das Regierungsjahr gebracht. Wie von Ex-Majestät Josef zu erfahren war, haben beide vor 25 Jahren in Börnste auch schon regiert. Praktisch waren diese zwölf abgelaufenen Monate 365 Silbertage.
Wir fragten den Festwirt Tons Wiemann nach seinem Eindruck vom Börnster Schützenfest. Er gab uns freudig zu verstehen, daß gerade der regnerische Samstag sehr vielversprechend gewesen sei. Natürlich wird es am Sonntag nicht anders gewesen sein. Unter den Klängen der Dülmener Stadtkapelle hat Börnste jedenfalls wieder ein Fest veranstaltet, das sich sehen lassen konnte.
Aus dem Protokollbuch
Erster Schützenfesttag
In diesem Jahr feierte die Bauerschaft ihr Schützenfest am 9. und 10. Mai. Wie alljährlich wurde um 10.00 Uhr in der St. Viktorkirche das Hochamt für die Gefallenen und Verstorbenen der Bauerschaft gefeiert, daß von den Börnstern gut besucht wurde. Um 13.00 Uhr tragen sich die Schützenbrüder zum Vogelschießen im Festzelt. Da das Wetter sehr unbeständig war, verzögerte sich das Antreten. Nach kurzer Beratung wurde die Vogelstange von ihrem Platz am Hauptweg geholt und in unmittelbarer Nähe des Festzeltes wieder aufgestellt. Währenddessen wurden im Zelt die üblichen Formalitäten erledigt. Als dann der Vogel auf der Stange war, wurde mit dem Schießen begonnen. Die anfangs zögerliche Beteiligung besserte sich als die Schützenbrüder sich geistig gestärkt und innerlich gewärmt hatten. Unter den Kreis der Bewerber gelang es Karl Mensmann mit einem gut gezieltem Schuß den Rest des Vogels von der Stange zu holen. Er wurde somit Schützenkönig 1965. Zur Mitregentin erkor er sich Fräulein Josefa Kuhmann. Herr Karl Mensmann, der mehrere Jahre Schriftführer war, wurde seines Amtes enthoben. Als neuer Schriftführer wurde Ludger Kuhmann einstimmig in den Vorstand gewählt. Nach Eintreffen der Königin und Proklamation des Königspaares marschierte der Schützenzug zum Festzelt, wo der Königstanz stattfand. Ihm schloss sich der allgemeine Festball an.
Zweiter Schützenfesttag
Wie vorgesehen ließ Herr Hubert Böinghoff die Schützenbrüder kurz nach 14.00 Uhr antreten. Nach Abholen der Vereinsfahneund Vorbeizug des Königspaares erfolgte unter den Klängen der Stadtkapelle der Abmarsch zum Kriegerdenkmal. Dort hielt Herr Boge die Gedenkrede. Die Schulkinder umrahmten diese Feierstunde durch Gedicht und Lieder. Als Herr Boge einen Kranz niederlegte spielte die Kapelle das Lied vom „Guten Kameraden“. Nachdem man den Gefallenen und Verstorbenen im Gebete gedacht hatte, marschierte der Schützenzug zum Festzelt zurück. Dort fand das traditionelle Kaffeetrinken der Damen, Kinderbelustigung und Verlosung statt. Inzwischen hatten sich einige Ehrengäste eingefunden unter ihnen die Gestlichkeit von St. Viktor, die H.H. Probst Dümpelmann mit seinen Vikaren Siemen und Barenbrügge sowie Ehrenmitglied Herr Ridder. Ehrenvorsitzender Herr Franz Brambrink, der z. Z. Amtbürgermeister ist, ließ sich wegen wichtiger Amtssachen entschuldigen. Um 19.00 Uhr begann abermals der Festball, der trotz des kühlen Wetters fröhlich und harmonisch nach Mitternacht zu Ende ging.



